Die Geschichte der Feuerwehr im Allgemeinen
und die der Feuerwehr Harthof im Besonderen

Chronik der Feuerwehr
Nach der griechischen Mythologie wurde das Feuer den Menschen von den Göttern geschenkt und der mystische Charakter hat sich durch alle Kulturepochen in Glauben und Aber glauben festgeklammert. So bestand der vorbeugende Brandschutz unserer Vorfahren zumeist darin, sich durch allerlei abergläubisches Tun das Wohlwollen der Götter und finsteren Mächten zum Schutz vor den Gefahren des Feuers zu sichern. Vom Misserfolg dieser Maßnahmen künden Zeugnisse der Geschichtsschreiber über verheerende Brandkatastrophen aus allen Epochen und von allen Kontinenten der Erde. Aber um Leben und Sachwerte vor der maßlosen Gier dieser Naturgewalten zu schützen, fehlten auch das Wissen und die technischen Möglichkeiten zu einer wirksamen Brandbekämpfung. Meist wurden nur schlecht organisierte Löschmannschaften und einfachste Löscheinrichtungen vorgehalten. Erst mit der Industrialisierung im 19. Jahrhundert begannen sich aus Turnerschaften freiwillig organisierte Feuerwehren zu entwickeln und in der Folge erfuhren auch technische Hilfsmittel zur Brandbekämpfung eine sprunghafte Entwicklung. Die Wirksamkeit der Einrichtungen zeigte sich bei vielen Unglücksfällen und Brandkatastrophen und das Ansehen der Feuerwehr in der Bürgerschaft war sehr hoch. Noch vor der Jahrhundertwende war in allen Städten und größeren Ortschaften, ja selbst in vielen kleineren Orten, eine dem Zeitgeist entsprechend militärisch organisierte, schlagkräftige Feuerwehr aufgebaut. Vor 130 Jahren gründete die Stadt München und in den Folgejahren die selbstständigen Randgemeinden um München, wie auch Feldmoching und Freimann ihre Wehr.

20iger Jahre
50 Jahre später, zu Beginn der 20iger Jahre, bestand der Harthof, ein kleiner Ableger der Gemeinde Feldmoching, aus einem Gut und weniger als 40 Häusern, deren Bewohner vom Handwerk, der Gärtnerei oder den Arbeitsplätzen in der nahen Großstadt lebten. Und natürlich gab es am Harthof ein Gasthaus, die Schleißheimer Alm, dessen Nachfolger heute noch am selben Platz steht wie damals. In dem inzwischen längst der Abrissbirne zum Opfer gefallenen Saal der Schleißheimer Alm trafen dich am 21. Dezember 1921 einige Harthofer Männer und gründeten einen Feuerwehrverein mit der Absicht, 50 Jahre nach der Muttergemeinde den hiesigen Bürgern zum Schutz eine eigene Feuerwehr aufzubauen. Damit ist zwar das Gründungsdatum des noch heute bestehenden Feuerwehrvereins genau bekannt, der Tag der Feuerwehrgründung ist im lückenhaften Wissen um die Geschichte unserer Wehr verschollen, wird aber im Jahre 1922 gewesen sein, da in diesem Jahr der mündlichen Überlieferung zu Folge Anton Rösch zu ersten Kommandanten der Freiwilligen Feuerwehr Harthof gewählt und mit der Anschaffung der äußerst bescheidenen Ausrüstung begonnen wurde. Zu dieser Zeit war die wirtschaftliche Lage des Landes für derartige Ideen - vorsichtige gesagt - etwas ungünstig. Unsere Großeltern konnten nach den entbehrungsreichen Kriegsjahren nur mit Müh und Not ihre Familien ernähren, für die Feuerwehr brachte man zwar Idealismus und tatkräftige Unterstützung, aber nicht die dringend benötigten finanziellen Mittel für Ausrüstung und Gerät auf. Und so wurden erst 5 Jahre nach der Gründung die etwa 50 Aktiven als von Feldmoching unter dem Vorstand Josef Schimpf angemeldet. Aber noch 1928 besaßen die Aktiven der Wehr keine Uniform, keinen Helm, keinen Gurt, nur eine von den Feldmochingern übereignete kleine Handpumpe. Am 17.11.1929 um 9.45 bestand die Wehr ihre erste Bewährungsprobe: das Anwesen von Simon Niemaier brannte zwar bis auf die Grundmauern nieder, angrenzende Gebäude konnten aber vor den Flammen gerettet werden. Am 5. März 1930 brannte die Schleißheimer Alm. Durch das schnelle Eingreifen der Harthofer Feuerwehr blieb das Gebäude größtenteils erhalten. Wegen der schlechten Löschwasserversorgung wurde das Feuer mit Jauche der neben dem Anwesen liegenden Grube bekämpft. In dieser Zeit war der Harthof noch nicht an das städtische Versorgungsnetz angeschlossen.

Machtergreifung 1933
Der politische Umschwung 1933 trug seinen neuen Gedanken auch in die Reihen der Feuerwehr, sie wurde nicht nur dem Strand der Technik, sondern auch den politischen Ideen angepasst. 1938 verleibte sich die Landeshauptstadt München, neben einiger anderer Randgemeinden, auch Feldmoching gegen den Widerstand der ansässigen Bevölkerung ein. Die Harthofer Feuerwehr wurde von Feldmoching getrennt und der heute nicht mehr bestehenden Milbertshofner Feuerwehr zugeordnet.

2. Weltkrieg 1939
Der 2. Weltkrieg mit all seinen schrecklichen Folgen riss auch tiefe Löcher in die Mannschaft unserer Feuerwehr. Die Kameraden, die nicht zur Wehrmacht eingezogen wurden, mussten in den besetzten Gebieten Feuerwehrdienst verrichten. Die Älteren waren nach dem Beginn der Luftangriffe neben ihrer Arbeit fast ständig in der Heimat im Einsatz. In der Nacht vom 24. auf 25. April 1945, kurz vor Kriegsende, wurden die Kameraden Konrad Hartl und Georg Veil im Einsatz von den Trümmern einer einstürzenden Mauer erschlagen.

Auflösung durch die Siegermächte 1945
Nach Kriegsende verboten die Amerikaner zunächst auch die Feuerwehren in der Besatzungszone; sie wollten verständlicherweise keine Deutschen mehr in Uniform sehen. Die Maßnahem mag zunächst naiv erscheinen, entbehrt jedoch nicht einer logischen Überlegung. Schließlich hatten die Nazis der Feuerwehr nicht nur die rote Farbe genommen, - Feuerwehr Fahrzeuge waren in der NS-Zeit grün lackiert - sondern sie zudem in eine Feuerschutzpolizei umfunktioniert und damit ihrer Eigenständigkeit beraubt. Dadurch wurde diese ursprünglich als Bürgerinitiative gegründete Hilfseinrichtung politisch geführt und dem Missbrauch Tür und Tor geöffnet.

Neugründung 1948
Die Schutznotwendigkeit der Bevölkerung führte aber nach kurzer Zeit zur Neugründung der Feuerwehren in den alten Strukturen vor der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten. Und so gründeten auch am Harthof einige Bürger, unter ihnen Josef Koller, Reinhold Groß, Georg Griesmaier und Willy, 1947 die Harthofer Feuerwehr erneut. Am 23. Januar 1948 wurde die neue Mannschaft in der Feldmochinger Turnhalle vom damaligen Kommandanten der Freiwilligen Feuerwehr München, Herrn Zitzelsberger, vereidigt. Drei Gründe waren in dieser von den Nachkriegswirren gebeutelten Zeit ausschlaggebend für diese mutige Entscheidung: Zum ersten war bei einem Brand 1947 zu einem nebenstehenden Hydranten nicht einmal der notwendige Schlüssel vorhanden, geschweige denn Schläuche oder anderes feuerwehrtechnische Gerät. Nach Kriegsende waren alle Gerätschaften eingezogen worden. Zum zweiten war der Harthof durch die Sperrung der Schleißheimer Straße beim Alabamalager von der Stadt München abgeriegelt. Die Harthofer wären im Unglücksfall vollständig auf sich allein gestellt gewesen. Zum dritten, und vielleicht als eigentlich Gründungursache zu sehen, war der organisierte Schutz vor Diebstählen und Plünderungen existenzerhaltende Notwendigkeit geworden. So war die Feuerwehr in diesen Jahren eigentlich als Bürgerwehr zu sehen. Die Harthofer Wehr wurde, wie bereits erwähnt, am 23. Januar 1948 ins Leben gerufen und als Hilfszug der Freiwilligen Feuerwehr München, Löschzug Feldmoching unterstellt. Unter dem Vorstand Hans Keimeier und dem Kommandanten Georg Griesmaier entwickelte sich die Wehr in den folgenden Jahren zu einer schlagkräftigen Einheit. 1950 wurde schließlich das erste Feuerwehrgerätehaus am Harthof in Eigenleistung erbaut; es steht noch heute in der Hardenstraße und wird von der Stadt als Lagerraum genutzt.

   

Eigenständigkeit der Harthofer Feuerwehr 1951
Am 29. November 1951 genehmigte die Branddirektion der Stadt München einen Antrag, demzufolge die Harthofer Feuerwehr als eigenständige Löschgruppe der Freiwilligen Feuerwehr München geführt werden sollte. Die Ausrüstung wurde nun weiter vervollständigt und verbessert, die Wehr bekam ein eigenes Löschfahrzeug und die Ausbildung wurde der Ausrüstung angeglichen. Im Jahre 1955 wurde im Rahmen eines großen Festes eine Fahne geweiht. Und da die Fahnenweihe einen Grund in der Geschichte der Wehr haben sollte, verlegte man kurzer Hand die Gründung in das Jahr 1930 und konnte so 25-jähriges Jubiläum feiern, das eigentlich schon acht Jahre zurück lag. Aber 1947 gab es am Harthof weder eine Feuerwehr, noch einen Grund zum Feiern. Zahlreiche Feuerwehren aus München und der Umgebung gaben unserer Wehr die Ehre; Feldmoching übernahm die Patenschaft und ist bis heute unser Patenverein geblieben.

Der Harthof erfuhr nach dem Krieg einen sehr starken Zuzug und es setzte eine rege Bautätigkeit ein. Trotzdem kehrten im Laufe des nächsten Jahrzehnts viele Kameraden dem aktiven Dienst den Rücken und Nachwuchs war kaum zu finden. 1960 hatte die Wehr noch acht aktive Mitglieder und eine Auflösung, so wie es der Löschgruppe Milbertshofen erging, schien ein unabwendbares Schicksal zu sein. Doch mit der Einführung der Bundeswehr bot der Gesetzgeber ab dieser Zeit mit dem Katastrophenschutzgesetz den jungen Feuerwehrmännern bei der Verpflichtung zu Feuerwehr auf unbestimmte Zeit eine Freistellung vom Wehrdienst. Darauf hin wuchs unsere Löschgruppe innerhalb weniger Jahre sprunghaft an; aber die Helfer kamen leider aus allen Stadtteilen Münchens und so waren bei den damals Gott sei Dank noch seltenen Einsätzen nicht viel mehr Aktive anwesend als vor der Freistellung. Nachdem er 21 Jahre die Geschicke der Harthofer Feuerwehr als Löschgruppenführer gelenkt und 50 Jahre aktiv den Feuerwehren seiner Heimatgemeinde Pillenhofen bei Regensburg und am Harthof gedient hatte, schied Georg Griesmaier sen. 1969 aus Altersgründen aus dem aktiven Dienst aus. Sein Sohn Georg Griesmaier, inzwischen auch längst senior, übernahm als neuer Kommandant die Löschgruppe, sein Stellvertreter wurde Heinz Keimeier und der Vorstand Willy Veil. In dieser Zeit fand auch bei der Münchner Berufsfeuerwehr eine Wachablösung statt, der entscheidungs und -unternehmungsfreudige Branddirektor Karl Seegerer nahm die Geschicke des Münchner Brandschutzes in die Hand und damit auch die Aufsicht über die Freiwillige Feuerwehr in München. Seine Idee von einer schlagkräftigen, gut ausgebildeten und gut ausgerüsteten Freiwilligen Feuerwehr in München als Ergänzung zur Berufsfeuerwehr begann er zusammen mit dem Kommandanten Heinrich Reuter tatkräftig, oft auch gegen den Widerstand in den eigenen Reihen, umzusetzen. Als Beispiele seien genannt: zentrale Ausbildung, Einführung des Fahrzeugfunks, Ausstattung mit Atemschutzgeräten, Alarmierung über Funkalarmempfänger, Beschaffung teils neuer Fahrzeuge für die FF und nicht zuletzt das Gerätehausprogramm.

Harthofer Gerätehaus 1979
So konnte die Abteilung Harthof - die Bezeichnung Löschgruppe wurde in Abteilung geändert, das eine Gruppe bei der Feuerwehr eine taktische Einheit mit 9 Mann ist - am 8.9.1979 das jetzige Gerätehaus an der Heimperthstraße eingeweiht.

In kurzer Zeit entwickelte sich das Feuerwehrhaus am Harthof zu einem Mittelpunkt des aktiven und passiven Feuerwehrlebens. Mussten davor die Unterrichte und Versammlungen in einer der nahen Gaststätten abgehalten werden, so traf man sich nun im eigenen Haus. Viele der damals aktiven und fördernden Mitglieder, die der Feuerwehr längst den Rücken gekehrt hatten, fanden wieder in die gesellige Runde zurück. Keineswegs soll das Gerätehaus die Wirtsstuben des Heimperthhofes oder Schleißheimer Alm ersetzten, doch die Akzeptanz der Feuerwehr hängt in hohem Maße vom Bekanntheitsgrad der geleisteten Arbeit ab. Die folgenden Jahre brachten kontinuierliche Verbesserungen in der Ausrüstung und Ausstattung, sowie in der Ausbildung. Nach dem Rücktritt von Heinz Keimeier 1985 wurde der Enkel des schon erwähnten Fliegers Josef Häusl, Georg Seebauer, Stellvertreter von Georg Griesmaier. Im Jahre 1989 wurde Walter Schreiber Nachfolger des aus Altersgründen zurücktretenden Abteilungsführers Georg Griesmaier. In den letzten Jahren wurde die Einbindung der Freiwilligen Feuerwehr München, und damit auch der Abteilung Harthof, in die den Münchner Brandschutz zum Erstzugriff in den Stadtrandgebieten und zur Ergänzung durch die zeitgleiche Alarmierung, die Ausbildung und Mitalarmierung bei Unfällen im Gleisbereich und die erhebliche verbesserte Ausstattung im Bereich der technischen Hilfe praktisch vollzogen.

Jetzt und heute
In den Jahren seit der Gründung der Harthofer Feuerwehr wurden Veränderungen und gesellschaftliche und technische Entwicklungen durchlaufen, die sich keiner unserer Gründungsväter 1922 im Saal der Schleißheimer Alm hätte träumen lassen. Was aus dem Idealismus der 20iger Jahre bis heute geschaffen wurde, bedarf der Anerkennung und des Dankes an all diejenigen, die die vielen Jahre geprägt und gefördert haben. Gemeint sind alle zuverlässigen und mit viel Engagement mit ihrer Feuerwehr verbundenen Kameraden. Zahlreiche schwere und entbehrungsreiche Jahre wurden bewältigt und nun ist ein Anpassungsprozeß an die Veränderungen unserer modernen Gesellschaft eingeläutet. Die Jugendarbeit wird einen wichtigen Teil einnehmen und auch aktive Feuerwehrfrauen werden bei der Abteilung Harthof ihren Dienst tun. Auch die zukünftigen Jahre werden Herausforderungen an alle Mitglieder, die passiven, fördernden und natürlich in besonderem Maß an die Aktiven stellen, die bewältigt werden müssen.